Verpasste Kunstprojekte – Best of Ungefördert

Fr 28.09. 20:00

Eintritt: € 15.- / ermäßigt € 10.-

Binario 11

Das Thema dem sich Binario 11 angenommen hat, ist Zugehörigkeit und Ankommen.

„Mit der Ausschließung ist die Zugehörigkeit zu der Gesellschaft, in der man lebt an der Wurzel getroffen. Denn durch sie befindet man sich nicht in der Unterschicht oder gehört zu den Macht-losen, sondern man steht draußen. Die Ausgeschlossen sind nicht Ausgebeutete sondern Müll, Abfall“ Papst Franziskus 2016

Eine poetische Standortfindung „Nicht müde werden und dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten…“ ist ein Satz der jüdischen Schriftstellerin Hilde Domin, den wir als Wegweiser für die work in progress gewählt haben: im Hin-blick auf Vertreibung, politische Willkür, Krieg und den Verlust von Heimat. Neben dem Benennen von dem was ist und geschah, zeigt die Performance anhand von Bewegung, Sprache und Musik welche Möglichkeiten sich dem Menschen eröffnen.

Kindertheater im Fraunhofer

Das Kindertheater im Fraunhofer sucht mit der literarischen Vorlage „Marcovaldo“ von Italo Calvino eine der letzten Inkarnationen aus der Reihe bekannter Komiker wie Charlie Chaplin für die Bühne zu schaffen. Dieser moderne Don Quichotte ist mit unverdrossenem Optimismus auf die Suche nach einer „heilen“ Welt. Aber die Pilze, die er bei seinen Streifzügen inmitten der Stadt findet, bringen ihn und seine Familie ins Krankenhaus. Das Kaninchen, das er beim Tierarzt mitgehen lässt, ist ein verseuchtes Versuchstier. Selbst das wunderbare Blau des Flusses verdankt seine intensive Färbung einer Fabrik. Die Natur präsentiert sich ihm als unweigerlich zerstört. Dennoch folgt er unbeirrt seinem Traum. Und am Ende gelingt es diesem einfachen Mann mit kindlichem Gemüt auch aus den absurdesten Situationen wieder unbeschadet herauszukommen.

Klaudia Schmidt

Barbiepuppen-Verbot ins Grundgesetz – feministisch – sozialistisch – politisch unkorrekt – Stückentwicklung

Am 12. November 2018 jährt sich der Beschluss die andere Hälfte der Bevölkerung an politischen Wahlen teilhaben zulassen zum 100. Mal in Deutschland. Ein Grund zu feiern?! 2 PerformerInnen, die einen Bogen schlagen zwischen der historischen Errungenschaft der politischen Teilhabe und der heutigen Situation der Frau in unserer Gesellschaft. Es wird nach streitbaren und tatkräftigen, historischen Vorbildern gesucht, die gerade in ihrer Radikalität zukunftsweisend sind und damit als Verknüpfung zwischen gestern und heute dienen können. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche in unserer kapitalistischen Gesellschaft trägt dazu bei, konventionelle Rollenbilder im Rahmen von Werbung, angeblich geschlechtsspezifischen Produkten und ökonomisierter Kultur zu verfestigen. Aus diesem Spiel entwickelt sich ein live-art-anarcho-Ende visueller und auditiver Form. Frei nach der Devise: mach kaputt – was dich kaputt macht!

theater fisch&plastik

fisch&plastik wurde im Jahr 1992 mit einer Theaterproduktion gegründet und bleibt bei „best of ungefördert“ bisher unser Überraschungsthema. Die Regisseurin Eos Schopohl hat noch nicht entschieden, welches ungeförderte Projekt der letzten Jahre ihr so am Herzen liegt, um es der Öffentlichkeit zumindest in einer Kurzfassung vorzustellen.

Über fisch&plastik. Wir beschäftigen uns mit Formen der Darstellung, die den Zuschauer viel näher

an die Theatergeschehnisse heranführen, die die Grenzen zwischen Fiktion und Realität absichtlich verwischen. Der Schauspieler verliert den Schutz der „vierten Wand“ und entwickelt sein Spiel in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zuschauer. Die starre Trennung zwischen Zuschauer und Akteur wird überwunden, und beide Parteien, Spieler wie Zuschauer, setzen sich nackt dem Erlebnis der jeweiligen Atmosphäre des Raums / der Räumlichkeit aus – ohne Unterstützung durch irgendeine Theatermaschinerie. Oft bewegt sich der Zuschauer in dem Geschehen wie ein „Kameramann“ durch die Räume mit ständigem Wechsel der Perspektive. Manchmal bleibt der Zuschauer aber auch außen vor als kühler und intensiver Beobachter.

Robert Spitz Handwerk – Ein Prozess (Arbeitstitel)

In Werkstätten und Läden in Neuhausen, also in der Nachbarschaft des BMT (BlauMausTheater) werden Gegenstände des Alltags zur Fertigung oder zur Reparatur bei Handwerker*innen in Auftrag gegeben. Diese Gegenstände sind am Ende des Prozesses Teil des Bühnen- und Kostümbilds. Während des Prozesses der Fertigung oder der Reparatur finden Gespräche zwischen Rechercheur*innen und den beauftragten Handwerker*innen und Ladenbesitzer*innen statt. Eine persönliche Gesprächsebene wird aufgebaut.

So werden alltägliche Vorgänge zum Ausgangspunkt für eine biografische Erzählung. Darüber hinaus lädt die Arbeit der Handwerker*innen ein, die darin enthaltene Ästhetik wahrzunehmen. Gleichzeitig spiegeln sie geschichtliche Entwicklungen und die Gentrifizierung des Viertels wider – durch die Geschichte des Handwerksbetriebs, die Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit, die Zukunftschancen sowie die persönliche Geschichte der Person erzählen sich gesellschaftspolitische Veränderungen. Die Aufzeichnungen (Ton & Video) und die Gegenstände, die während der Gespräche entstehen, sind das Rohmaterial der Theateraufführung.

Im Foyer findet eine Mini-Ausstellung statt: Auf Bildschirmen sind Mitschnitte aus Original-Gesprächen zu sehen und über Kopfhörer Original-Ton zu hören. Das Theater wird zum Ausstellungsraum, in dem unabhängig von der Theateraufführung die Videos zu besichtigen sind.